Marcheur
Gruppenbild Rhein-Ahr-Marsch

Rhein-Ahr-Marsch

100 Km in 24 Stunden

Seit dem der Rhein-Ahr-Marsch im Jahr 2017 seine Premiere hatte, bin ich jedes Jahr dabei gewesen. Im ersten Jahr war ich noch alleine. Dann habe ich wohl so begeistert auf der Arbeit davon berichtet, dass wir im zweiten Jahr schon zu viert waren. Zwei mal sind wir seither alle vier ins Ziel gekommen und konnten unsere Zeit im letzten Jahr um einige Stunden unterbieten.

Der Rhein-Ahr-Marsch wird mittlerweile in drei Distanzen angeboten: 22 km, 50 km und 100 km. Wir haben immer die vollen 100 Km genossen.

Vor dem Start

Der Rhein-Ahr-Marsch beginnt und endet für den 100-Km-Marsch in Rheinbach. Die Startunterlagen kann man an verschiedenen Tagen und verschiedenen Orten vor dem Marsch abholen. Wenn man aber weiter weg wohnt, kann man sie auch am Tag selbst im Stadion, dem Startpunkt abholen. Am Abholfenster nennt man seinen Namen oder seine Startnummer, zeigt seine Anmeldung vor und bekommt den Beutel mit den Startunterlagen. Darin sind neben der Startnummer ein paar Gimmicks und Gutscheine.

Die Startnummer hängt ist an einem Band, das man sich um den Hals hängt. Auf der Rückseite ist der Transponder für die Zeitmessung angebracht. Man sollte die Startnummer so tragen, dass sie von vorne sichtbar ist, falls man hinterher nicht zu lange nach den Fotos suchen will, die die Sportfotografen auf der Strecke schießen.

Die Stunden bis zum Start kann man bei herrlichem Wetter auf dem Rasen des Stadions verbringen. Man kann noch mal die Ausrüstung checken, sich recken und strecken oder einfach noch mal ein bisschen schlafen.

Gepäckservice

Falls man sich nach 50 Kilometern gerne umziehen möchte oder noch etwas eigene Verpflegung zukommen lassen möchte, kann man im Stadion einen Beutel mit seinen Sachen abgeben, der dann zum Verpflegungspunkt auf der Hälfte der Strecke gebracht wird. Hier kann man dann seine alten Klamotten in den Beutel tun und ihn am Ziel wieder abholen. Das klappt alles sehr zuverlässig und reibungslos.

Start

Jetzt wird es ein bisschen emotional. Die Ultrawalker versammeln sich vor dem Startbogen. Dann sind aus der Ferne Dudelsackmusik und Trommeln zu hören. Ein schottisches Musik-Korps marschiert auf den Start zu und macht inmitten der Teilnehmer halt und bläst und trommelt. Die Aufregung steigt.

Dann endlich ertönt der Countdown. Beim Start laufen die vorderen Reihen fast los. Aber Laufen ist verboten, es handelt sich schließlich um einen Marsch. Und so hält man sich zurück.

Zuerst geht es durch das Städtchen Rheinbach. Vorbei an Lokalen mit gut besetzten Terrassen. Es wird viel applaudiert und angefeuert. Auch nachdem man den Ort verlassen hat, stehen an den abgesperrten Kreuzungen auf den ersten 10 Kilometern viele Zuschauer, die in die Hände klatschen und ihre Bewunderung ausdrücken. Man hat ein bisschen ein schlechtes Gewissen, weil man ja jetzt noch keine wirkliche Leistung vollbracht hat.

Verpflegungspunkte

Wir haben mehr Gepäck dabei, als wir bräuchten. Spätestens nach 10 Kilometern gibt es auf der ganzen Strecke zu Essen und zu Trinken.

Die Nacht

In der Abenddämmerung geht es durch Felder und Obstplantagen und nähert sich dem Wald, durch den es in der Dunkelheit nach Bonn geht. Jetzt sieht man überall vor und hinter sich kleine Lämpchen durch die Landschaft baumeln. Die kleinen Positionslichter, die die Wanderer an den Rucksäcken angebracht haben und die Stirnlampen.

Hier zieht sich das Feld der Teilnehmer schon ziemlich auseinander. Wenn man nicht gerade ganz vorne dabei ist, sind immer andere Teilnehmer in etwa 10 Meter Entfernung da. Das ändert sich erst am Rhein, wenn man durch Bonn marschiert ist, wo die ersten Blasen versorgt werden mussten.

Versorgung einer Blase am Fuß
In Bonn werden die ersten Blasen versorgt

Die Abstände zwischen den Teilnehmern werden größer. Kaum sind sie in Rufnähe. Am Rhein geht es etwa 20 Kilometer bei Mondschein in Richtung Remagen. Links neben sich sieht man stundenlang Königswinter und den Drachenfels. Nach ein paar Stunden ist das ziemlich monoton. Die Teilnehmer werden stiller. Hier ist man jetzt ganz bei sich. Ganz bei den steifen Knien und den schmerzenden Füßen. Viele fassen hier unten, am sprichwörtlich und tatsächlich tiefsten Punkt der Strecke den Entschluss, aufzugeben. Andere nutzen die Gelegenheit, Tempo aufzunehmen und in der Kühle der Nacht Strecke zu machen.

Navigation

Darüber braucht man sich gar keine Gedanken zu machen. An jeder Weggabelung gibt es unübersehbare Pfeile auf Schildern und auf dem Boden. Unglaublich! Auf den gesamten 100 Kilometern kommt nie ein Zweifel auf, wo es lang geht. Manchmal stehen sogar noch Streckenposten an der Kreuzung, die einem den Weg weisen.

Halbe Strecke

Seit ein paar Stunden halten wir schon Ausschau nach den Brückenköpfen der berühmten Brücke von Remagen. So manches Mal dachten wir schon, sie in der Ferne auszumachen. So manches Mal mussten wir feststellen, dass sie es nicht waren. Aus dem Rhein kriecht uns langsam die Kühle in unsere Glieder. So schön er ist, wir wollen ihn endlich verlassen.

Kräfte sammeln auf halber Strecke in Remagen

Dann endlich passieren wir den alten Brückenkopf. Mittlerweile ist er ein Museum. Von hier werden in ein paar Stunden die Ultra-Walker starten, die sich für die 50 Km eingeschrieben haben. Nach einem sehr langen Kilometer dürfen wir dann rechts abbiegen. Der Verpflegungspunkt auf der Hälfte der Strecke ist in einer Turnhalle. Warme Nudeln, auf die wir uns schon lange gefreut haben werden an richtigen Tischen gegessen. Wir richten unsere Ausrüstung, tauschen das eine oder andere Kleidungsstück, dehnen unsere Steifen Glieder noch ein bisschen und werden uns dann gemeinsam darüber klar, dass das erst die Hälfte der Strecke war. Oh Mann!

Zweite Halbzeit

Ein paar Kilometer geht es noch am Rhein entlang. Dann biegen wir ab und es geht langsam bergauf durch kleine Ortschaften, die immer malerischer werden, durch Kurorte und an Bächen entlang.

Schließlich, es ist fast Mittag, tauchen die Weinberge auf. Wir wissen, dass wir da hinauf müssen und machen noch mal Tempo. Denn wir wollen da oben sein, wenn die Sonne noch nicht jeden Winkel der Strecke erreicht.

Der Ausblick ist herrlich und hilft über die Strapazen der Nacht hinweg. Wer in Remagen aufgegeben hat, verpasst den schönsten Teil der Strecke. Wir genießen die Landschaft und die freundlichen Menschen, denen wir auf der Strecke begegnen.

Wir sind jetzt meistens zu zweit oder alleine unterwegs. Die Sorge, uns aus den Augen zu verlieren ist der Gewissheit gewichen, dass wir uns spätestens am nächsten Verpflegungspunkt wieder sehen. Und so marschiert man mal mit dem einen, dann mit dem anderen. Ganz ungezwungen lernt man so auch andere Teilnehmer kennen.

Das Teilnehmerfeld ist mittlerweile so ausgedünnt und auseinander gezogen, dass man auch oft alleine auf der Strecke ist.

Ziel in Reichweite

Nach 80 Kilometern, sind wir überzeugt, dass wir es schaffen werden. Mittlerweile tut der Bewegungsapparat weh und ist steif. Eigentlich haben wir keinen Durst, aber wir trinken trotzdem regelmäßig ein paar Schlucke damit wir nicht dehydrieren und die Gelenke nicht noch steifer werden.

Jetzt geht es noch mal richtig lange steil bergauf. Wir wollen es hinter uns bringen. Wir haben noch genug zu trinken und lassen den einen oder anderen Verpflegungspunkt aus. Hinsetzen tun wir uns schon lange nicht mehr. Wir wollen in Bewegung bleiben.

Die letzten Kilometer ziehen sich unvorstellbar lange. Das muntere Plaudern der 50 und 22 Km Wanderer, denen man auf der Strecke begegnet geht uns ein bisschen auf die Nerven.

Schließlich ist Musik und Moderation von weitem zu hören. Das muss das Stadion sein. Wir sind wieder im Wohngebiet von Rheinbach und nach einer gefühlten Ewigkeit taucht es auf. Wir nehmen uns in die Arme und biegen gemeinsam ins Stadion auf die Zielgerade ein.

Professionelle Versorgung im Ziel

Wieder im Stadion angekommen, gibt es Essen und Trinken, Massagen und Fußpflege. Auch das Rote Kreuz ist vor Ort und versorgt die ernsteren Verletzungen. Wir haben uns gut vorbereitet über das vergangene Jahr und haben viele Schuhe und Socken getestet. Deswegen sind unsere Blasen, falls überhaupt vorhanden, harmlos.

Die Organisation

Der Rhein-Ahr-Marsch ist die am besten organisierte Veranstaltung, die ich kenne. Über eine unglaubliche Strecke von 100 Kilometern hat man nie das Gefühl, auf sich alleine gestellt zu sein.

Organisiert wird der Rhein-Ahr-Marsch vom Good Walking Club unter der Leitung von Frank Piontek. Der ganzen Veranstaltung merkt man zu jeder Zeit an, dass hier mindestens ein Jahr Herzblut und Leidenschaft am Werk war und ist.

Wir ziehen unsere Wanderhüte vor Frank und seinem Helferteam. Ihr seid großartig!

Rucksack oder Hip-Bag

Ich fand es sehr angenehm, jederzeit einen Schluck zu trinken, ohne den Rucksack abnehmen zu müssen. Ich hatte eine Trinkblase in meinem Rucksack. Denkbar wäre auch eine Trinkflasche an einer Hüfttasche.

Nahrung braucht man theoretisch nicht in den Rucksack zu tun. Es gibt unterwegs mehr als genug an den Verpflegungspunkten.

In den Rucksack oder die Tasche gehören noch ein Windbreaker, Stirnlampe und Warnweste für die Nacht und Blasenpflaster.

Stöcke

Lange Zeit haben wir uns gegen das Marschieren mit Stöcken gewehrt. Irgendwann haben wir es dann aber probiert und festgestellt, dass sie eine große Erleichterung sein können. Besonders in den Bergen ist es hilfreich, die Belastung ein bisschen von den Beinen auf die Arme verteilen zu können.

Die Stöcke sollten so lang bzw. eingestellt sein, dass die Arme einen rechten Winkel bilden wenn die Stöcke den Boden berühren.

6 Kommentare

  1. Ich werde dieses Jahr, also im Juli 2020, das erste mal am RHEIN-AHR-MARSCH teilnehmen. Danke für den tollen Bericht. Jetzt habe ich ein paar Sorgen weniger was die Nacht, die Verpflegung und die Ausschilderung betrifft.
    Das habe ich leider schon bei vielen Events anders erlebt. Es gibt mindestens 16 Verpflegungsstationen? Wow! Bei anderen Märschen sind es nie mehr als vier – und die muss man auch häufig erst finden.
    Ich freue mich sehr drauf und bin echt gespannt. Und vielleicht läuft man sich ja auch mal über den Weg.

    Danke & viele Grüße aus Münster,
    Stefan

  2. Freue mich auf diesen Marsch. Als geübter Langstreckengeher bin ich gut vorbereitet und dieser Bericht, nimmt mir den letzten Zweifel, etwas zu tun, was falsch ist.
    Jetzt hoffe ich noch eine gute Zeit hin zu legen, mein Wunsch wäre bei 16 Stunden erfüllt, schau mer mal 😉

  3. Ich werde dieses Jahr auch das 1.Mal dabei sein. Nachdem ich 2019 den MM in Berlin gefinshed habe, und ich für dieses Jahr einen weiteren 100er gesucht hab, bin ich auf den Rhein-Ahr-Marsch gestoßen. Nachdem es eigentlich nur positive Feedbacks gab, und die Strecke wohl traumhaft sein wird, hab ich mich kurzerhand angemeldet. Natürlich spielen auch die 16 Verpflegungsstationen eine Rolle. Nicht so, wie bei anderen Märschen, wo man 20km bis zur nächsten VP laufen muss.
    Ich freue mich auf den Marsch

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